1. Insulinversorgung reduzieren
Folgende Fragen sind wichtig, um die Insulintherapie vor, während und nach einer körperlichen Aktivität richtig anzupassen:
  • Wann möchte ich körperlich aktiv sein? (Wirkt Bolus- oder Basalrate?)
  • Wie viel Insulin ist zu diesem Zeitpunkt wirksam?
  • Wie stark muss ich reduzieren:
    • 50 – 90 % beim Bolus je nach zeitlichem Abstand zum Sportbeginn
    • Basalrate mindestens 1 – 2 Stunden vor Sportbeginn reduzieren
  • Wie lange und wie intensiv möchte ich mich bewegen?
    • Je intensiver, desto größer die Reduktion in %.
  • Wie lange wirkt die geplante körperliche Aktivität nach?
    • Je intensiver und je länger die Belastung war, desto länger wirkt sie nach.
    • Basalrate 8 – 12 Stunden nach Ende der Belastung um 20 – 50 % reduzieren

 

2. Kohlenhydratzufuhr erhöhen
  • Entweder langsam wirkende Kohlenhydrate deutlich  vor Belastungsbeginn (1 – 2 Stunden) oder sehr schnell wirkende Kohlenhydrate direkt vor der Belastung
  • während der Belastung alle 15 – 20 Minuten 1 – 2 BE in flüssiger Form zuführen. Auf langsam resorbierbare Kohlenhydrate während der Belastung verzichten.
  • Nach Sport: Muskelauffülleffekt beachten! Evtl. weiterhin Kohlenhydratzufuhr erhöhen

 

3. Flüssigkeit aufnehmen
  • Liegt der Ausgangsblutzucker über der Nierenschwelle (ca. 160 mg/dl), müssen diabetische Sportler vor und während dem Sport mehr Flüssigkeit trinken als Stoffwechselgesunde
  • Kohlenhydrathaltige Flüssigkeit ist während des Sports am besten geeignet

 

4. Blutzucker messen
  • Vor jeder körperlichen Aktivität muss auf jeden Fall der Blutzucker gemessen werden.
  • Die meisten Sportler mit Diabetes streben einen Ausgangsblutzucker von 150 – 180 mg/dl (8,5 – 10 mmol/l) an, je nach aktuell wirkender Insulinmenge, Trainingszustand u. a.
  • Bei gefährlichen Sportarten ist ein höherer „Sicherheitsblutzucker“ empfehlenswert.

 

5. Ketone messen
Bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (14 mmol/l) oder bei Symptomen einer Ketozidose muss ein Ketontest (bei Sportlern im Blut) durchgeführt werden!
Ketontest im Normbereich (Bluttest bist 0,5 mmol/l bzw. Urintest negativ oder 1+)
Sie können mit körperlicher Aktivität beginnen, müssen aber den Blutzuckertest und ggfls. Ketontest eingmaschig wiederholen.
Blutketontest leicht erhöht (0,6 – 1,0 mmol/l)

Keine körperliche Aktivität empfohlen.

 

Ketontest deutlich erhöht (Bluttest ab 1,1 mmol/l bzw. Urintest ++ oder +++)
Keine körperliche Aktivität, sondern Notfalltherapie beginnen!
6. „SOS-Sportset“ mitnehmen
Ohne eine ausreichende Menge an Not-BE sollten Menschen mit Diabetes nirgendwohin gehen, geschweige denn laufen.
SOS-Sportset für ganztätige Aktivitäten:
  • Blutzuckermessgerät, ausreichend Teststreifen, Stechhilfe, Blutketonmessgerät
  • Insulin, Glukagon-Spritze, Spritzen, Pens
  • Insulinpumpe: Batterien, Ersatzkatheter u. Ä.
  • Ausreichend Flüssigkeit
  • Ausreichende Mengen an „schnellen“ Kohlenhydraten (Cola, Glukose-Gel, Traubenzucker, etc.)
  • Ausreichende Mengen an „langsamen Kohlenhydraten (Obst, Brot, Energie- oder Müsliriegel, etc.)

 

7. CGM und Sport
  • Sport mit steigener Glukosetendenz beginnen
  • Sportprofil programmieren:
    • 120 mg/dll für den Alarm „niedriger Blutzucker“
    • Voralarm so sensibel wie möglich einstellen (meistens 2 mg/min)
    • 220 bis 250 mg/dll für den Alarm „hoher Blutzucker“ oder deaktivieren
    • Der Voralarm „Hoher Blutzucker erwartet“ kann ausgeschaltet werden.
    • CGM-Sender und Insulinpumpenkatheter zusätzlich mit Fixomull stretch © oder Kinesiotape fixieren

 

8. Katheterwechsel nach dem Sport oder Training empfehlenswert
Besonders bei einer reduzierten Basalrate und verstärkten Gewebedurchblutung kann es durch Zurücklaufen von Gewebeflüssigkeit oder Blut zu deutlichen Blutzuckeranstiegen nach Beendigung des Sports kommen.
 
Weitere Informationen zum Thema Diabetes und Sport:
Diabetes- und Sportfibel
Diabetes und Sport Jahrbuch
 
Bedienungsanleitung aus:
Diabetes- und Sportfibel: Ulrike Thurm, Berhard Gehr
 
19,90 € /33,90 sFr
ISBN 978-3-87409-457-3
3. Auflage 2009
446 Seiten, broschiert
DIN A5

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